„Alle Tiere sind gleich. Aber manche sind gleicher.“
George Orwell (1903-1950) in Animal Farm 1945

Welch eine Aussage über Tiere, die Menschen meinte; welch Aussage vor allem für jene, die das System des Mauersozialismus vor fast 30 Jahren hinter sich gelassen haben.

Sie gilt heute allerdings auch für die Betrachtung von Tieren aus ethischer Sicht: Futtertier, Schädling, vertrauter Begleiter, verdinglichter Rohstoff...

Orwells „Farm der Tiere“ stand in der DDR auf dem Index der verbotenen Bücher. Die Schweine (als Fabeltiere anstatt der kommunistischen Führer) jagten den Farmer (als Kapitalisten-Sinnbild) davon, übernahmen die Farm, machten junge, unwissende Hunde zu einfältigen Beschützern ihrer Macht, unterjochten alle anderen Farmtiere ideologisch mit Phrasen und Zahlenkolonnen des herbeigeredeten Erfolgs.

Aber auch in jener Zeit gab es einfache und ehrliche Seelen. Wen rührt nicht das Schicksal des Pferdes „Boxer“ – als Sinnbild des gutgläubigen Opfers des Regimes; ausgenutzt, verraten und (an den Abdecker) verkauft. Die eigentlich tragische Figur des Romans.

Dennoch ist ehrliche, redliche Arbeit die Grundlage dafür, täglich in den Spiegel schauen zu können. Nur die Leichtgläubigkeit darf einem nicht zum Verhängnis werden. Auch wir Amtstierärzte sind nicht dazu da, die Welt zu retten (Kunzmann 2015). Die Inkongruenz in der Gesellschaft ist auch durch unseren Einsatz nicht wettzumachen. Unser Bemühen zum Ausgleich wiederstrebender Interessen und zur Durchsetzung von Kompromissen, die sich „Recht“ nennen, lässt uns allzu oft zwischen den Stühlen sitzen. Im schlimmsten Fall korrumpiert es uns gar. Wenn man Empathie und Emotion besitzt, führt dieser Konflikt zu innerer Zerrissenheit. Man denke an die Bilder des ZDF der Tiertransporte in Drittländer. Nun sollen Amtstierärzte Schuld daran tragen. Aber der verantwortliche Transporteur bleibt Täter und Nutznießer und wird vom diesbezüglich inaktiven Rechtsstaat geschützt, wie das Gutachten des Thüneninstitutes (Angela Bergschmidt, 2015) resümiert. In der Regel führt kaum ein Strafverfahren zum Erfolg. Die Beispiele der verlorenen Verfahren kennt außerhalb der Amtstierärzteschaft niemand in der Öffentlichkeit. Ein Strafbefehl gegen einen Amtstierarzt ist allerdings eine Nachricht, die die Medien und sozialen Netzwerke transportieren, und dadurch überproportional die Relationen verschieben.

Mit Upton Sinclair (1878-1968) lässt es sich wie folgt sagen: „Es ist schwierig, jemanden dazu zu bringen, etwas zu verstehen, wenn er sein Gehalt dafür bekommt, dass er es nicht versteht.“

Da kann man auch zur TÄHAV erklären, was man will...

Herzlichst Ihr
Dr. Holger Vogel
Präsident Bundesverband der beamteten Tierärzte e.V.
Vereinigung der Tierärztinnen und Tierärzte im öffentlichen Dienst

Mitglieder können nach erfolgter Anmeldung den Beitrag kommentieren.

Joomla templates by a4joomla