„Man darf den Ministern nicht das Land überlassen, denn es ist nicht ihr Land“,

sagte Friedrich der Zweite als Souverän seines Staates. Wobei er sich als König von Preußen als erster Diener seines Staates sah. (Eine heute verlorengehende Eigenschaft in der politischen Riege ?) Heute ist der Souverän das Volk, welches sich in demokratischen Regularien artikulieren und durchsetzen kann. Was hat das Volk mit seinem Abstimmungsverhalten zur Bundestagswahl gemeint, und wie sind diese Mehrund Minderheitsverhältnisse in einer Regierung umzusetzen?

Es stehen Kompromisse an. Minderheiten können infolge der Mehrheitsgestaltung zur Regierungsbildung überproportional in die Entwicklung des Landes eingreifen. Es bleibt abzuwarten, ob die anstehenden Kompromisse akzeptabel werden und sich das Volk als mehrheitlich verstanden sieht; oder ob sich die Menschen, wie in der Biedermeierzeit, weiter von der Politik abwenden und ihr Glück im rein Privaten suchen werden. Die Tendenzen in diese Richtung sind unübersehbar, auch beim Einsatz in Ehrenämtern. Politik wirkt oft nicht nachvollziehbar. Fachlich komplexe Themen werden nicht von Jedermann auf Anhieb verstanden.

Umso mehr braucht man vertrauenswürdige und verlässliche Strukturen, Behörden und zu ihrem Wort stehende Personen im Verwaltungsapparat. Das gegenwärtige System der Verwaltung aber schafft ein immer mehr an Rückversicherern, an Unverbindlichbleibern und Verantwortungsablehnern, kurz gesagt an Apparatschiks um politischen Schlingerkursen Rechnung zu tragen zu können.

In den ländlichen Räumen werden die Menschen durch Gebietsstrukturwandlungen, durch Artenschutzrechtsregularien zu Wolf, Biber, Kormoran und Milan, durch die Wasserrahmenrichtlinie, den Alleenschutz, Fischtreppen, ansonsten aber fehlende Investitionen in die Infrastruktur und dergleichen immer entmündigt und haben in ihrer angestammten Heimat immer weniger die Möglichkeit zur Weiterentwicklung und Gestaltung.

Ängste um die Lebensmittelsicherheit werden durch profilierungssüchtige Akteure geschürt. Medien und NGOs tragen weniger zur sinnvollen Information der Bürger, sondern mehr zur Hilflosigkeit im Umgang mit den Informationen bei. Diese Hilflosigkeit führt je nach Gemüts- und Ausgangslage des Betroffenen zu Wut, Aggression oder Resignation. Und dies obwohl nach seriöser Einschätzung von Fachkreisen Lebensmittel noch nie so sicher waren. Die Eigenverantwortung im Sinne von „zu viel“, „zu süß“, „zu salzig“ etc. wird kaum thematisiert. Es muss immer ein anderer schuld sein.

Nach wie vor werden durch die „Geiz ist geil“-Devise der Verbraucher, des Handels und der konkurrierenden Produzenten das Hand in Hand-Gehen von Wirtschaftlichkeit am Markt und Würdelosigkeit in der Tierhaltung befördert. Rechtstexte im Tierschutz sind Kompromisstexte, und freiwillige Absprachen zum Tierwohl bleiben angesichts des Marktdruckes ein Feigenblatt, allerdings mit Marketingaspekt. In den Verarbeitungsbetrieben für Tierische Nebenprodukte durch renommierte Professoren und Amtstierärzte erhobene Daten zu tierschutzrelevanten Befunden sprechen eine deutliche Sprache. Ignorante Vertreter aus Politik und Apparat versuchen die systematische Erfassung dieser zum Teil durchaus straftatrelevanten Befunde zu verhindern bzw. rechtliche Hürden zu zementieren.

Gleichzeitig wird gegen uns Tierärzte im Bereich der Antibiotikaresistenzen ein Stellvertreterkrieg geführt. Mit dem Machwerk TÄHAVO werden Tierärzten, Amtstierärzten und Tierhaltern Lösungen aufgezwungen, die keine sind. Viel Schreib- und Nachweisführungsaufwand laufen am Ziel vorbei. Warum nicht den AUA-Beleg nutzen ?! Resistenzen nach Antibiotikaeinsatz haben im human- und veterinärmedizinischen Bereich im Wesentlichen getrennte Ursachen. Natürlich lassen sich im Bereich der Veterinärmedizin noch weiter Antibiotika einsparen. Damit lassen sich aber aus Tierschutzgründen Nutzungsrichtungen wie z.B. die Stufenproduktion von Altersgruppen wie Kälbern, Läufern oder die Hühnermast nicht mehr darstellen. Bei Letzteren sind die Kokzidiostatika als Futtermittelzusatzstoffe und nicht als Antibiotika eingeordnet. Was für eine (notwendige ?) Augenwischerei.

Herzlichst
Ihr Holger Vogel
Präsident Bundesverband der beamteten Tierärzte e.V.
Vereinigung der Tierärztinnen und Tierärzte im öffentlichen Dienst

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