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Der Bundesverband der beamteten Tierärzte, die Vereinigung der Tierärztinnen und Tierärzte im öffentlichen Dienst e.V., besteht seit der Gründung im Jahr 1953 nunmehr 60 Jahre. Dieses Jubiläum war Anlass für einen würdigen Festakt in der Vertretung des Freistaates Bayern beim Bund in Berlin.

Unter den ca.BILD Präsident des BbT - Dr. Martin Hartmann 100 geladenen Gästen trafen sich Vertreter der Politik von Europaparlament bis zum Bundestag, Vertreter des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), sowie Bundes- und Landesinstituten, Vertreter der tierärztlichen Bildungsstätten sowie die dem BbT nahestehende Berufs- und Interessenverbände, Vertreter der Lebensmittelindustrie und des -handwerks, des Deutschen Landkreistages, der Bundestierärztekammer sowie des Bundesverbandes der Veterinärmedizinstudierenden Deutschlands. Neben den Grußwortredner Dr. Winter, Unterabteilungsleiter im BMELV, dem Vizepräsidenten des Deutschen Landkreistages, Herrn Landrat Kubendorff, fanden unter anderem der Abgeordnete des Europaparlamentes, Dr. Horst Schnellhart und die Bundestagsabgeordneten Hans Michael Goldmann und Dr. Wilhelm Priesmeier den Weg in die Vertretung des Freistaates Bayern.

 

Begrüßt wurden die Gäste vom Präsidenten des BbT, Dr. Martin Hartmann. In seiner Rede ging er sowohl auf die Ergebnisse der Verbandsarbeit als auch auf die wesentlichen Positionen des Verbandes zu aktuellen Fragestellungen ein und fasste die Forderungen des Berufsverbandes zusammen. Den Wortlaut der Rede lesen sie hier.

Ziel der Veranstaltung war neben der Würdigung der 60-jährigen Verbandstätigkeit, Themen zu diskutieren, die der Tierärzteschaft in der öffentlichen Verwaltung unter den Nägeln brennen. Das war in erster Linie die gleichzeitig im Bundesrat zum Beschluss vorliegende Novelle des AMG und deren künftige Umsetzung mit der Zielrichtung der Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes in der Nutztierhaltung, die Positionierung des approbierten Tierarztes in der LKonV, die Revision des EU-Hygienepaketes u. v. m. 


HerDr. Winter –BMELV (r) im Gespräch mit Dr. Girnau -BLL – (m)- und Prof. Hensel –BfR- (l)r Dr. Winter vom BMELV betonte in seinem Grußwort, dass der BbT seit 60 Jahren Sprachrohr der staatlich bestellten Tierärzte ist. Aus Sicht des BMELV ist der BbT geschätzter Ratgeber in allen Fragen des öffentlichen Veterinärwesens. Anerkennend wurdenDr. Winter –BMELV die beachtlichen Fortbildungsangebote des Verbandes erwähnt, zu einer Zeit, in der die EU den Tierarzt in der Verwaltung mit reichlich Lesestoff und einem ganzen Werkzeugkasten für das korrekte Verwaltungshandeln versorgt. So sei es nur konsequent und richtig, dass die Politik sich auf die Expertise seiner akademischen Beamten verlassen könne und das kann die Politik guten Gewissens auf allen Ebenen, vom Landrat bis zum Bundesministerium. Herr Dr. Winter würdigt auch die Erfolge des BbT, dem tierärztlichen Beruf mit all seinen Facetten das nötige Gehör in der Öffentlichkeit zu verschaffen. 

Der Vizepräsident des Deutschen Landkreistages, Herr Landrat Kubendorff, nahm in seinem Grußwort Bezug auf die Vorteile einer kommunalen Veterinärverwaltung und führte wörtlich zur Wertschätzung aus: „Wir stehen zu unseren Amtstierärzten und sehen die Vorteile einer Herr Landrat Kubendorff - Vizepräsident des Deutschen Landkreistageskommunalen Verantwortung im gesundheitlichen Verbraucherschutz. Speziell die ausgeprägte Ortskenntnis ist bei krisenhaften Ereignissen von Bedeutung. Deshalb wollen wir in Zukunft an der kommunalen Verantwortung festhalten.“ 

Weiterhin konkretisierte er die Vorzüge dieses kommunalen Modells mit Beispielen der Verwaltung aus seinem Landkreis Steinfurt von dem Blauzungen-Seuchenzug über salmonellenverursachte Lebensmittelvergiftungen bis hin zu Tierschutzfällen, die in einem herausragenden Fall zur Versteigerung von 60 Pferden führte. Auch die Feststellung im Gutachten des Bundesrechnungshofes in Zusammenhang mit der Bewältigung des Dioxingeschehens wurde angeführt, nämlich dass die Arbeit der kommunalen Veterinärbehörden in der Abwicklung effektiv und zielführend war. Herr Kubendorff griff auch das Thema Kompetenzverschiebung / Hochzonung in seinen Ausführungen auf und lehnte diesbezüglich jegliche Veränderungen in Richtung
Bund ab, im Bewusstsein der Verantwortung für ausreichend Personal und sächliche Ausrüstung. Das bundesweite Abkommen zum Austausch von Veterinären im Krisenfall wurde als ein wichtiger Baustein zur Bewältigung in Krisensituationen erwähnt. 


Herr Abraham, Ehrenvorsitzender des Bundesverbandes der deutschen Ernährungsindustrie, bemüht in seinem Grußwort dieHerr Abraham - Ehrenvorsitzender des Bundesverbandes der deutschen Ernährungsindustrie eigene Firmengeschichte, wobei er verdeutlicht, dass sich das öffentliche Veterinärwesen spürbar von der Veterinärpolizei zu Zeiten seines Vaters hin zu einem Partner entwickelt hat, das in heutiger Zeit bereits bei der Projektierung von Betrieben in Hygienefragen einbezogen wird.

In Zusammenhang mit dem jüngsten Futtermittelskandal (Aflatoxinbelastung) verweist Herr Abraham auf eventuelle Versäumnisse der Kontrollbehörden und stellt die Frage in den Raum, ob es genug Mitarbeiter in den Kontrollbehörden gibt. Nach seiner Meinung sind die fehlenden Veterinäre der eigentlichen Mangel. Von diesen Mängeln ist bei so genannten Skandalen die gesamte Branche betroffen.

Herr Abraham äußert weiterhin den Wunsch an den BbT-Präsidenten, dass auch der BbT mehr in die Öffentlichkeit gehen und kundtun soll, was sie Segensreiches für die Lebensmittelwirtschaft insgesamt tun, damit auch die Wirtschaft nicht so vielen Angriffen ausgesetzt ist. Wirtschaft und Behörden stehen gemeinsam für sichere Lebensmittel.

BILD 197 Prof. Dr. A. HenselHerr Prof. Hensel vom Bundesinstitut für Risikobewertungen macht den Zuhörern in seinem Grußwort nochmals deutlich, an welchen Stellen, vielmals auch unbemerkt, der beamtete Tierarzt zu finden ist, nämlich in Universitäten, der Bundeswehr, in den Landkreisen, Bezirksregierungen und Landesbehörden, in den Bundes- und Landesämtern und den Tiergesundheitsdiensten. Herr Prof. Hensel befasst sich auch mit den Defiziten bei der öffentlichen Wahrnehmung der tierärztlichen Arbeit und kommt zum Schluss, dass der Erfolg der Arbeit des Tierarztes auch oft das Resultat multipler Zusammenarbeit ist.

Der Ehrenpräsident des BbT, Herr Dr. Wohn, unterstreicht in seinem GruBILD 217 Ehrenpräsident Dr. Herbert Wohnßwort das erste Ziel des BbT, nämlich die bundesweite Fortbildung. Der alljährlich stattfindende Veterinärkongress hat sich als Erfolgsmuster erwiesen und er nimmt Bezug auf die gestiegene Teilnehmerzahl von 50 vor 40 Jahren und in der Neuzeit auf jährlich ca. 600 Teilnehmer. Dies konnte nur gelingen durch die enge Zusammenarbeit mit den beteiligten Bundesministerien und mit hochkarätigen Referenten aus Brüssel. 

Nicht unerwähnt geblieben sind auch die herausragenden Erfolge beim Aufbau der berufsständischen Vertretungen in den neuen Bundesländern nach der Wende bis hin zur Mitwirkung bei der Schaffung effektiver Verwaltungsstrukturen. Der Festvortrag wurde von Professor Peter Kunzmann vom Ethikzentrum Jena gehalten mit dem Thema “Amtstierärzte im Auftrag einer zerrissenen Gesellschaft“.

Professor Peter Kunzmann

 

Bildquelle (sämtliche Bilder): www.berlin-event-foto.de/