Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle - EDITORIAL 1 / 2022
Anmeldung zur 4. Jahrestagung der TPT (Tierärztliche Plattform Tierschutz)
"Tierschutz und Lebensmittelsicherheit am Schlachthof 
Was muss sich ändern?"

 
 
 
 
 
 
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Mit Schreiben vom 07.12.2011 hatte sich der BbT bereits zum Vorläufer-Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Arzneimittelgesetzes geäußert. Diese jetzige Stellungnahme steht in der Kontinuität der seinerzeitigen Positionierung:


"Der Entwurf wird unserem Anspruch an eine risikoorientierten Überwachung weiterhin nicht gerecht, da er die entscheidende Informationsbeschaffung über die tatsächlich abgegebenen und eingesetzten Mengen an Tierarzneimittel als „Holschuld“ der zuständigen Behörden – i.e. der Veterinärämter – festschreibt. Eine im Einzelfall bestehende Möglichkeit, auf konkrete Anforderung der Behörde die entsprechenden Daten vorlegen zu müssen, stellt diese in das – pflichtgemäße – Ermessen der Ämter und führt zu einer Verhältnismäßigkeitsprüfung. Hier plädieren wir entschieden dafür, die bereits vom gesamten Berufsstand der Tierärzteschaft vorgelegten Vorschläge aufzugreifen und die gesetzgeberische Option zu schaffen, in einer Verordnung Regelungen über eine verpflichtende Nutzung einer sowohl vom Tierarzt wie vom Landwirt zu bedienenden einheitlichen Datenbank mit den Angaben zur Dokumentation von Bezug und Verbleib der Tierarzneimittel zu treffen

Damit ließen sich nach Definition von entsprechenden Parametern Kenngrößen für durch den Einsatz von Arzneimitteln entstehende Risiken festlegen, bei deren Erreichen oder Überschreiten tierärztliche Hausapotheken oder landwirtschaftliche Betriebe einer Überprüfung zu unterziehen wären.

Ferner würde – dem Anliegen des landwirtschaftlichen Berufsstandes folgend – die Möglichkeit für ein Benchmarking geschaffen. Es ist befremdlich, dass offensichtlich in den Gruppen der Betroffenen – Tierärzten und Landwirten – weitaus weniger bzw. keine Bedenken gegen eine Offenlegung der Daten auch den Behörden gegenüber bestehen, als diese in Ihrem Entwurf trotz entsprechender Forderungen von verschiedenen Seiten zum Ausdruck kommen.
An dieser Stelle möchte ich auch klarstellen, dass wir Ansinnen, wie sie aus politischen Kreisen zu vernehmen sind, jegliche „Verschreibung“ von Antibiotika für landwirtschaftliche Nutztiere vorab den Veterinärbehörden zukommen zu lassen, von vornherein ablehnen müssen und werden. Damit würden Veterinärbehörden zumindest indirekt in die Pflicht zur Prüfung dieser Arzneimittelanwendungen genommen, die sie auf keinen Fall leisten könnten. Das liegt zum einen in der Menge der dann zu erwartenden Mitteilungen und zum anderen in der Unmöglichkeit, retrospektiv - ohne die Detailkenntnis der Indikationsstellung – eine sachgerechte Beurteilung vornehmen zu können. Ferner liefe ein solches Ansinnen den Forderungen des Tierschutzes zuwider, kranken Tieren rasche Hilfe zukommen zu lassen. Die praktizierenden Kolleginnen und Kollegen haben im Rahmen ihrer berufsrechtlichen Verpflichtungen die Verantwortung für die ordnungsgemäße Behandlung ihrer Patienten unzweifelhaft selbst zu tragen, die sie sicherlich auch zur Wahrung ihrer Therapiefreiheit bereitwillig weiterhin übernehmen  werden.

Ich darf Ihnen versichern, dass die Überwachungsbehörden die durch die verschiedenen Studien verdeutlichten Probleme des Antibiotika-Einsatzes in landwirtschaftlichen Betrieben äußerst ernst nehmen. Wir fühlen uns durch die aktuelle Diskussion darin bestätigt, dass es im Kern um eine grundlegende Verbesserung der Tiergesundheit in den Beständen geht. Aus diesem Grunde plädieren wir dafür, die Diskussion nicht ausschließlich auf den Einsatz von Medikamenten auszurichten, sondern insbesondere den Datenfluss zur Situation der Tiergesundheit insgesamt im Blick zu behalten. Hier drängt sich unserer Auffassung nach geradezu auf, die Lebensmittelketteninformation an die Realitäten des privatwirtschaftlich geforderten Informationsflusses anzupassen. In der Folge ergäbe sich für die Kolleginnen und Kollegen an den Schlachtstätten eine umfassende Übersicht über die Tiergesundheit und etwaige Behandlungen sowie das Tierwohl in den Beständen. Wenn diese Erkenntnisse kenndatenbasiert an die für die Herkunftsbetriebe zuständigen Behörden zurück flössen, entstünde aus der Kombination der Erkenntnisse aus der Tierarzneimittel-Datenbank  und dieser Produktionsdaten ein Bild über das Geschehen in den Tierbeständen, das die Suche nach Ursachen für Erkrankungen und eine intensivere Überwachung unter Schonung der Ressourcen  ermöglichen würde."

Die Stellungnahme wurde wegen des Bezugs zur Lebensmittelketteninformation auch nachrichtlich an das Referat 323 gesandt.

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