Liebe Kolleginnen und Kollegen,

„Es gibt viele Wege zum Glück. Einer davon ist aufhören zu jammern. Jammern, ohne nach Lösungen zu suchen, ist reine Zeitverschwendung!“ (Albert Einstein, 1879 – 1955)

Da die Amtstierärzteschaft nie zu wenige Probleme zu bearbeiten hat, sind auch die gegenwärtigen Herausforderungen im Dauermodus der Krisenbewältigung couragiert anzugehen. Eine Voraussetzung für das Gelingen ist der Zusammenhalt zwischen allen Alters- und Arbeitsgruppen.

Hier besteht, gelinde gesagt, Optimierungsbedarf! Ob älter oder jünger, ob weiblich oder männlich, der Gedankenaustausch zu Zielen und Wegen des amtstierärztlichen Dienstes ist erforderlich und muss Basis und Plattform erhalten.

Der erste Schritt ist getan. Im Juni dieses Jahres trafen sich junge Kolleginnen und Kollegen aus allen Teilen Deutschlands zu einer Arbeitstagung in Fulda. Ein intensiver fachlicher Austausch führte zu Schwerpunktaufgaben, die gruppenübergreifend von großer Relevanz sind. Der Berufsstand muss sich Änderungen in der Arbeitszeitgestaltung gegenüber öffnen, ebenso wie der fortschreitenden Digitalisierung. Dabei sind die Netzwerke, die gebildet wurden und die ausgebaut werden sollen, Grundlage für die fachliche wie berufspolitische Arbeit. Insbesondere die Darstellung dieser Tätigkeiten nach außen soll vorangetrieben werden. Der amtstierärztliche Beruf, seine Bedeutung, aber auch die bestehenden Notwendigkeiten, z.B. der Vereinheitlichung, müssen wahrnehmbar sein.

Ein erster Schritt führt zu einem weiteren. Dieser ist für November in Form eines zweiten Workshops geplant. Eine Verstetigung soll das Ziel und die Chance sein (siehe Bericht von Laura Schuster in diesem Heft).

Neben grundsätzlichen Themen hat und wird sich der BbT immer auch fachspezifischen Herausforderungen stellen. Eine davon, die deutschlandweit an Bedeutung und Dringlichkeit zunimmt, ist die Zukunft der amtlichen Schlachttier- und Fleischuntersuchung. Hierzu ist unter dem Dach der Tierärztlichen Plattform für Tierschutz (TPT) eine Veranstaltungsreihe begleitet und vorangetrieben worden.

Ein zentrales Anliegen müssen die Änderung des Tarifvertrags Fleischuntersuchung und die Gebührenentkopplung für kleine Schlachtstätten sein.

Nur die Bündelung von Kräften wird hier zum Ziel führen.

Eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen muss im Rahmen der Tarifverhandlungen erreicht werden, und nur so wird dieser Arbeitszweig im Fokus des Verbraucher- und Tierschutzes auch in Zukunft attraktiv gestaltet werden können.

Der Einbindung der amtlich tätigen Kolleginnen und Kollegen auf den Schlachthöfen und in der ambulanten Schlachttier- und Fleischuntersuchung wird sich der BbT stellen. Als Interessenvertretung des amtstierärztlichen Dienstes wollen wir auch hier Ansprechpartner sein. Eine gute Einbindung in die jeweiligen Amtsstrukturen ist jedoch Voraussetzung und fortlaufender Anreiz zur Verbesserung für uns alle. Alternativ wäre mit einer weiteren Ausbreitung des „Dschungels“ im Sinne von Upton Sinclair zu rechnen.

Veränderung und daraus folgende Verbesserung kann nur durch aktives Handeln erreicht werden – wir müssen uns als Amtstierärzteschaft einbringen.

Ich lade Sie ein diesen Weg gemeinsam zu gehen!

Herzlichen Dank!
Dr. Holger Vogel
Präsident Bundesverband der beamteten Tierärzte e. V.
Vereinigung der Tierärztinnen und Tierärzte im öffentlichen Dienst

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

nach der coronapandemiebedingten Unterbrechung von zwei Jahren hat nun der 39. Internationale Veterinärkongress in Bad Staffelstein stattgefunden! Fast 600 Teilnehmer verfolgten aufmerksam das Programm und 200 Teilnehmer blieben zum Anschlussseminar. (Demnächst können Sie die Vorträge im passwortgeschützten Bereich unter www.amtstierarzt.de abrufen)

Die Wiedersehensfreude war groß! Die Frage: „Alles gut?“ wollte nur eine Antwort zulassen wie Ja natürlich! Ähnlich im Englischen und im Russischen. 

Die Ereignisse der letzten zwei Jahre bewirkten Veränderungen, welche eine Rückkehr zum Status quo ante unmöglich zulassen.

Die Macht des Faktischen… besteht hier in der weltweiten Ausbreitung des Covid 19 Virus, dem Eindringen der Afrikanischen Schweinepest nach Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg und dem Krieg in der Ukraine! Natürlich sind diese Ereignisse unterschiedlich wertig und wirkend…

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Unerreichtes, Unvollkommenes, Unwürdiges begegnet uns täglich im Arbeitsumfeld, scheint unseren Alltag zu bestimmen – aber es überwiegt nicht! Dies müssen wir uns immer wieder vor Augen führen. Es gehört allerdings zur menschlichen Mentalität, immer eher das Störende und Unvollkommene wahrzunehmen und zu thematisieren.

Deshalb heute ein paar Gedanken zur Digitalisierung in der Veterinärverwaltung! Wie steht es mit Datenmanagementsystemen und deren Schnittstellen? Werden sie jemals eine Arbeitserleichterung sein oder eher eine immerwährende zusätzliche Pflegeaufgabe, die Arbeitszeit frisst?

Na ja, es kommt darauf an – werden Sie sagen!

Worauf denn? Auf die eigene Einstellung dazu? Auf die eigenen Fähigkeiten? Gibt es ein Arbeitszeitfenster für die sinnvolle Implementierung oder wird es (wie alles andere) einfach im Stadium „Feldversuch“ auf das vorhandene und mehr als ausgelastete Personal aufgesattelt?

Sie haben doch sicher einen Anwendungsbetreuer in der Mannschaft des Veterinäramtes, der die Fragen der speziellen Softwaresysteme betreut, seinen KollegInnen neue Datenbanken (TRACES NT) erklärt, zum Laufen bringt!? Ergänzend dazu gibt es ja selbsterklärende, 100seitige Skripte...

Oder muss man sich durch eigenes, mühsames Probieren selbst Erkenntnisse verschaffen? Wie auch immer: es ist eine Aufgabe. Insbesondere dann, wenn die Festplatte im eigenen Kopf schon ziemlich voll ist, die Nerven durch hohe Schlagzahl dünn sind, die Arbeitszeit knapp ist und der staunende Spieltrieb in der Auseinandersetzung mit neuen Herausforderungen schon lange nachgelassen hat.

Da braucht es Inkompetenz-Kompensationskompetenz!

Das Einfachste – wenn man sich in einem Fachbereich inkompetent fühlt – ist es, das fehlende Wissen und Können durch Fleiß, Übung und Fortbildung auszugleichen. Was aber, wenn das Aufgabengebiet so vielfältig und breit gefächert ist, dass zur Verfügung stehende Zeit und Möglichkeiten zum Ausgleich der Defizite nicht ausreichend sind?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

eine neue Bundesregierung ist gewählt. Welchen Weg sie einschlagen wird, ist noch offen, aber trotzdem stellen sich Fragen, kommen Wünsche auf und sollten vielleicht auch Forderungen formuliert werden. Dazu möchte ich im Dialog mit Laura Schuster als amtliche Tierärztin, Sachgebietsleiterin und eine Vertreterin der
nachfolgenden Generation Fragen aufwerfen und Antworten zur Diskussion stellen.

Vogel:
Welche Erwartungen gibt es in Bezug auf die amtstierärztliche Tätigkeit an eine neue Regierung?

Liebe Leserinnen und Leser,

„Wir wollen mehr Demokratie wagen.“
sagte Willy Brandt (*1913-1992) als Bundeskanzler in seiner 1. Regierungserklärung.
Heute wünschte man sich zudem, dass Demokratie mit mehr Vernunft und Respekt geschähe. Fehlt sie doch oft, die Mehrheit für Vernünftiges und Durchdachtes. Lobbyismus und Profilsucht prägen häufig die Wahrnehmung von Parteien, Regierungen und Parlamenten.
Bald stehen Bundestags- und verschiedene Landtagswahlen an. Ein Wettstreit um Mehrheiten und damit um Positionen der Macht ist zu beobachten. Da könnte man gleich mit einem Zitat von Hans-Jochen Vogel (1926-2020) „Macht muss dienen!“ fortfahren…
Hier drängt sich die Frage auf: Wem? Den Menschen, der Umwelt, den Tieren…?!

Liebe Leserinnen und Leser,

„Es scheint, dass unsere Gesellschaft verlernt hat, ohne Aggression und mit einem Mindestmaß an Anstand und Respekt über
ihre Probleme zu diskutieren.“

An die Stelle demokratischen Meinungsstreits sind emotiona­lisierte Empörungsrituale, moralische Diffamierungen und offener Hass getreten. (Die Selbstgerechten; Sahra Wagenknecht *1969)

Die promovierte Volkswirtin beschreibt politische Entwicklungen, die schon längst auch für unseren Berufsstand zu realen Einflüssen im Arbeitsumfeld geführt haben. Moralische Haltungsnoten werden auch für unsere Tätigkeit vergeben. In
­Fragen des Lebensstils, des Konsumverhaltens und der gendergerechten Sprache wird dogmatisch und unerbittlich, fast
schon inquisitorisch, missioniert.

Sozialökonomische Betrachtungen und auch rechtliche Gegebenheiten geraten vermeintlich ins Hintertreffen bei einer Gesamtbetrachtung.

Liebe Leserinnen und Leser,

das Zitat (Helmuth von Moltke, 1800 – 1891, preußischer Militär­stratege) „Getrennt marschieren, vereint kämpfen“ passt auch auf die notwendige Zusammenarbeit der Berufs­ verbände der praktizierenden- und der Amtstierärzte. Jede B­erufsgruppe bedarf spezieller Expertisen – darf aber die Schnittstellen nicht aus den Augen verlieren!

Um im Bereich der Bewertung von tierschutzrelevanten Befunden zu gleichen Einschätzungen zu gelangen. haben sich die Verbände bpt und BbT darauf verständigt, relevante Beiträge sowohl in der Zeitschrift „Der praktische Tierarzt“ als auch im „Amtstierärztlichen Dienst“ zu veröffentlichen. Der Informationsaustausch wird mit einem Beitrag zu Kachexie beim Schwein in diesem Heft beginnen.

Derzeit befindet sich das Tierarzneimittelgesetz in einer antepartalen Phase. Das be­deutet: Alles ist angelegt, nichts lässt sich mehr so ohne Weiteres ändern. Lageberichtigungen und Fehlstellungen können bei Kunstfertigkeit allerdings noch in Geburt berichtigt werden…
Das Ende der Legislaturperiode wirft Schatten, es wird zur eiligen Geburt gedrängt…

Liebe Leserinnen und Leser,

„Besser laut geflucht als leise gelogen.“ (Hans Fallada 1893-1947)

Oder wie sonst soll mit der Situation rund um den bevorstehenden Tiergesundheitsrechtsakt / Animal Health Law der EU umgegangen werden?

Geltungsbeginn ist der 21.04.2021! Obwohl es noch ein halbes Jahr vorher an Rechtssicherheit mangelt, gilt dies Datum als unaufschiebbar! Ade nationales Recht in Zeiten akuter Tierseuchengefahren! Ade vertraute Sicherheit und Kenntnis basierend auf dem Viehseuchengesetz im Namen des Reichs und mit Zustimmung des Bundesrates von vor mehr als 100 Jahren.
Das Ganze geschieht nun auch noch unter der Coronapandemie-bedingten Ressourcenverknappung an Personal und Kräften.

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