Aktuelle Informationen:

  • 2020-04-05 Schreiben des Präsidenten des BbT zur Coronakrise und zur Durchführung von Veterinärpraktika in den Ämtern Link >>>
  • 2020-08-28 Stellungnahme zur Neufassung derv AVV-Rüb durch BbT, BVLK und foodwatch Link >>> 
  • 2020-10-07 Pressemeldung des BbT zu Tiertransporten von Nutztieren in Drittländer Link >>>
  • Stellenausschreibungen Link >>>

Nicht-Präsenz-Seminar zum Animal-Health-Law und dem nationalen Tiergesundheitsrecht
hier: Programm und Link zur 
Anmeldung

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Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle - EDITORIALS 4/2020

Liebe Leserinnen und Leser,

„Besser laut geflucht als leise gelogen.“ (Hans Fallada 1893-1947)

Oder wie sonst soll mit der Situation rund um den bevorstehenden Tiergesundheitsrechtsakt / Animal Health Law der EU umgegangen werden?

Geltungsbeginn ist der 21.04.2021! Obwohl es noch ein halbes Jahr vorher an Rechtssicherheit mangelt, gilt dies Datum als unaufschiebbar! Ade nationales Recht in Zeiten akuter Tierseuchengefahren! Ade vertraute Sicherheit und Kenntnis basierend auf dem Viehseuchengesetz im Namen des Reichs und mit Zustimmung des Bundesrates von vor mehr als 100 Jahren.
Das Ganze geschieht nun auch noch unter der Coronapandemie-bedingten Ressourcenverknappung an Personal und Kräften...........

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Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen

Tierschutz / Cross-Compliance-Recht
Amputation von Schwänzen neugeborener Ferkel

Insbesondere in den nordwest-europäischen Veredelungsgebieten (D, DK, NL) werden bei jungen Ferkeln regelmäßig die Schwänze gekürzt. Dieser Eingriff wird in den Ferkelerzeugerbetrieben in den ersten Lebenstagen vorgenommen; eine Betäubung ist laut Tierschutzgesetz dazu nicht erforderlich.
Unter den gegebenen Rahmenbedingungen insbesondere in Intensiv­haltungen wird diese Maßnahme in Ferkelerzeugerbetrieben vor­genommen, weil es sonst in den Mastbetrieben später gehäuft zu Kan­nibalismus mit aufsteigenden Infektionen des Rückenmarkkanals kommen kann. Schätzungen gehen davon aus, dass unter Mastbedin­gungen etwa 5 % der Schweine aggressiv reagieren. So ist es unter den derzeitigen Gegebenheiten in der Intensivtierhaltung nicht möglich, Schweine mit ungekürzten Schwänzen zu mästen. Angebissene Schwänze führen jedoch stets zu erheblichen Entzündungen mit großen Schmerzen für das betroffene Tier.

Das Kürzen der Schwänze bei Ferkeln wird somit in der Praxis vielfach als vorbeugende Maßnahme zur Verminderung des Problems „Schwanzbeißens“ angesehen, um innerhalb der gegebenen Rahmen­bedingungen Bissverletzungen der Tiere so weit wie möglich zu ver­meiden. Das Schwanzbeißen ist jedoch ein multifaktorielles Ge­schehen, und spiegelt eine systemimmanente Problematik in den Ställen wider. Als Ursachen für das Schwanzbeißen werden u. a. eine reizarme Umgebung, hohe Belegungsdichten, ein ungünstiges Stall­klima mit zu starker Schadgasbelastung sowie genetische Faktoren gesehen.
Ein „routinemäßiges“ Kürzen der Schwänze steht jedoch im Span­nungsfeld mit dem nationalen und europäischen Tierschutzrecht, wo­nach diese Maßnahme ausschließlich im begründeten Einzelfall, nicht aber „routinemäßig“ durchgeführt werden darf.
Kontrollen in den hiesigen Mastbetrieben haben zudem gezeigt, dass auch Ferkel aus den Niederlanden und Dänemark kupierte Schwänze haben. Angesichts dieser gesamteuropäischen Dimension des Prob­lems hat die Agrarministerkonferenz am 29. April 2010 auf Veran­lassung von Nordrhein-Westfalen den als Anlage beigefügten Be­schluss gefasst. Danach ist eine enge Abstimmung aller Beteiligten notwendig und dabei eine europäische Lösung anzustreben. Konkret soll in enger Abstimmung von Wissenschaft, Agrar- und Veterinär­verwaltung ein übergreifendes Konzept ausgearbeitet werden, das den Schweine haltenden Landwirten konkrete Handlungsempfehlungen zur besseren Einhaltung der einschlägigen EU-Bestimmungen bietet.
Gerade weil sich dieser zootechnische Eingriff vorrangig in den all­gemeinen Haltungsbedingungen begründet, müssen hier – unabhängig von der jetzt zu findenden strategischen Lösung des Problems auf der Grundlage des o.a. Agrarministerkonferenzbeschlusses – betriebs­individuell praktikable Abhilfen gefunden werden. Aggressivität bei Schweinen ist eine Verhaltensstörung, die insbesondere durch ungünstige Haltungsbedingungen hervorgerufen und begünstig wird.

Den entsprechenden Erlass des MKULNV NRW vom 24.11.2010 finden Sie im Download-Verzeichnis von www.amtstierarzt.de. Der Erlass zeigt auf, wie Ferkelerzeuger und Mastschweinehalter der drohenden Cross-Compliance-Falle entgehen können und gilt ab 1.1.2011.

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