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Amtstierärztlicher Dienst und Lebensmittelkontrolle - EDITORIALS 2/2021

Liebe Leserinnen und Leser,

„Es scheint, dass unsere Gesellschaft verlernt hat, ohne Aggression und mit einem Mindestmaß an Anstand und Respekt über
ihre Probleme zu diskutieren.“

An die Stelle demokratischen Meinungsstreits sind emotiona­lisierte Empörungsrituale, moralische Diffamierungen und offener Hass getreten. (Die Selbstgerechten; Sahra Wagenknecht *1969)

Die promovierte Volkswirtin beschreibt politische Entwicklungen, die schon längst auch für unseren Berufsstand zu realen Einflüssen im Arbeitsumfeld geführt haben. Moralische Haltungsnoten werden auch für unsere Tätigkeit vergeben. In
­Fragen des Lebensstils, des Konsumverhaltens und der gendergerechten Sprache wird dogmatisch und unerbittlich, fast
schon inquisitorisch, missioniert.

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Seit der Einführung der Schlachttier- und Fleischuntersuchung Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich die Gesundheit in den Tierbeständen stark verändert. Klassische Zoonosen, die durch klinische und/oder pathologisch-anatomische Untersuchungen erkannt werden können, spielen kaum mehr eine Rolle. Heute bedeutsame Zoonosen, wie z.B. die durch Salmonellen, Campylobacter, Toxoplasmen und Yersinien verursachten, verlaufen beim Schwein i.d.R. subklinisch und zeigen keine Veränderungen an Tierkörpern und Organen.

Diese Verschiebung der Gesundheitsrisiken für den Menschen muss durch eine Anpassung der Schlachttier- und Fleischuntersuchung auf der Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen Rechnung getragen werden, um die Lebensmittelsicherheit und den Verbraucherschutz zu verbessern. Dabei steht die Berücksichtigung und schrittweise Minimierung der im Vorfeld der Schlachtung (Futter und Fütterung, Tierhaltung und Tiertransport) entstehenden Lebensmittelrisiken im Vordergrund.

Bei der risikoorientierten Schlachttier- und Fleischuntersuchung wird die sogenannte Lebensmitteketteninformation aus den Schlachtschweine liefernden Tierbeständen, die unter kontrollierten Bedingungen und in integrierten Produktionssystemen gehalten werden, durch regelmäßige serologische und mikrobiologische Untersuchungen ergänzt. Im Gegenzug kann sich, wenn alle relevanten Informationen ein niedriges Risikoniveau signalisieren, die Fleischuntersuchung auf eine Besichtigung beschränken („visuelle“ Fleischuntersuchung) – bei Tieren aus Beständen, für die ein hohes Risikoniveau angenommen werden muss, werden zusätzlich gezielte Untersuchungen durchgeführt.

Die Verordnung (EG) 854/2004 vom 29. April 2004 sieht diese Möglichkeit vor; die Verordnung (EG) 1244/2007 präzisiert die Kriterien für die erforderlichen Haltungsbedingungen.

Die Ergebnisse mehrerer Studien haben gezeigt, dass durch die vor- und nachgelagerten zusätzlichen Untersuchungen nicht nur Gleichwertigkeit, sondern sogar ein Mehr an Sicherheit für den Verbraucher erzielt wird, und durch die Rückmeldung der Schlachtbefunde ein neues Instrument zur Verbesserung der Tiergesundheit und des Tierschutzes entsteht. Mittlerweile ist die  risikoorientierte Untersuchung ohne routinemäßige Anschnitte als Standardverfahren an mehreren großen Schlachthöfen etabliert. Ein Leitfaden für die amtliche Überwachung steht kurz vor der Fertigstellung.

Der BbT befürwortet die Weiterentwicklung der risikoorientierten Fleischuntersuchung, da die Vorteile eindeutig überwiegen. In naher Zukunft werden multi-serologische Untersuchungen auf mikrolabortechnischer Ebene zur Verfügung stehen, die eine Einschätzung der Tiergesundheit und des Infektionsstatus des Herkunftsbestandes erlauben, und Hinweise auf Defizite bei den Haltungsbedingungen und bei der Tierbetreuung geben..

Damit werden bei der risikoorientierten Untersuchung wichtige Aspekte von öffentlicher Gesundheit, Tiergesundheit und Tierschutz berücksichtigt. Für eine Finanzierung der flankierenden Untersuchungen durch die Schlachtunternehmen muss durch alle beteiligten Gruppierungen der Mehrwert für den Verbraucherschutz anerkannt und eingefordert werden.

Es ist die Aufgabe der tierärztlichen Organisationen, mit ihrer fachlich Kompetenz zu einer Verbesserung der Lebensmittelsicherheit beizutragen, insbesondere aber auch überzeugende Vorstellungen zur Qualität und zum notwendigen Personaleinsatz in der Fleischuntersuchung zu entwickeln. Die Reduktion von Kosten darf dabei kein entscheidendes Kriterium sein.

 

 

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